Finnland macht nachdenklich: Handschrift ade?

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Neue Osnabrücker Zeitung, 27.12.2014:  Ab Herbst 2016 wird in den Grundschulen Finnlands keine zusammenhängende Handschrift mehr unterrichtet. Für Notizen mit Hand sollen die Schüler nur Druckbuchstaben erlernen.

„Handschrift zu benutzen und vor allem die Buchstaben miteinander zu verbinden ist für viele Schüler schwer“, begründet Minna Harmanen vom finnischen Ausbildungsamt den Bruch mit der Schultradition. Als Lehrerin der Mittelstufe und am Gymnasium habe sie festgestellt, dass vielen Schülern schon heute die zusammenhängende Schönschrift so lästig ist, dass sie ihre Arbeiten oft in Druckbuchstaben verfassen.

„Die klassische Handschrift ist problematisch. Statt sich auf den Inhalt zu konzentrieren, sind viele Schüler über das Aussehen ihrer Buchstaben besorgt“, sagt Harmanen dem finnischen Rundfunk YLE. Viele Schüler hätten regelrechte Schreibblockaden, wenn sie mit zusammenhängender Handschrift arbeiten müssen. Solche Probleme hätten sie nicht, wenn sie lange, analytische Texte am Computer verfassen.

Auch in einigen deutschen Bundesländern gibt es Vorstöße, die zusammenhängende Handschrift durch eine Grundblockschrift zu ersetzen. So ist in Hamburg die alte Schreibschrift keine Pflicht mehr. Und die Kantone der Deutschschweiz wollen von der sogenannten Schnürlischrift auf die neue Basisschrift umstellen, bei der nur noch einige Buchstaben miteinander verbunden werden. Kritiker warnen, dass die klassische Handschrift besser für den kognitiven Lernprozess sei. Beim Handschreiben würden entsprechende Hirnregionen besser aktiviert. So ergab eine französische Studie, dass Kinder, die per Hand schreiben, deutlich schneller und besser lesen lernen, als Kinder, die eine Tastatur nutzen.

Einer US-Studie zufolge lernen auch Studenten, die sich Notizen per Hand machen besser als diejenigen, die Vorlesungsnotizen in ihre Laptops eintippen. Wer mit der Hand schreibt, sei verstärkt dazu gezwungen, die Informationen im Kopf zu bearbeiten und zu verstehen.

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