Die Gaukler: der Schule-IST-UNCOOL-MYTHOS

Mir ist fade - man hole mir den Hofnarren

Mir ist fade – man hole mir den Hofnarren

Da läuft es wieder, unausweichlich, vor meinen Augen vorbei. Schlagzeile:  Rocker Daniel Wirtz (aus Sing meinen Song)„Schule war nicht so mein Ding“. Meine langjährige Wahrnehmung: in sämtlichen Biografien, Interviews, Talkshows oder Fernsehberichten wird dieser „Zusammenhang“ durch die Medien positiv hervorgehoben. Was aber auch zu korrelieren scheint: es betrifft ausschließlich die Gruppe der Gaukler (Musiker oder solche die sich dafür halten und Schauspieler oder solcher die sich für welche halten). Ich bin tatsächlich froh, dass in den Berufsgruppen der Ärzte, Ingenieure, Anwälte, Lehrer, Piloten, Krankenschwestern, Mechatroniker, Elektriker…. dieser Zusammenhang nicht gilt.

Moby (Musiker – New York) übrigens dazu in einem Welt-Interview:

Moby: Nein. Ich rede ungern mit Musikern. Meist sind sie arrogant und ein wenig dumm. Das ist so ernüchternd.

Welt Online: Aber interessanter als Schauspieler.

Moby: Weil Schauspieler nichts tun. Sie schreiben ihre Texte nicht selbst, sie sind nicht für die Beleuchtung zuständig, sie bedienen nicht die Kamera, sie inszenieren nicht ihre Szenen. Ich bin froh, dass es Schauspieler gibt, weil ich mir gerne Filme anschaue, aber wenn ich ein Journalist wäre, käme es einem Albtraum gleich, einen Schauspieler zu sprechen. Was sollte man diese Leute bloß fragen?

Wie gehen nun unsere Pubertanten damit um? „Ich werde YouTuber“ – ist etwas, was ich häufig zu hören bekomme. Fällt für mich auch in diese Kategorie: infantil und dümmlich.

Warum ist diese „BildungsFerne“ und „NichtsWissenUndKönnenNähe“ nur so positiv in den Medien konnotiert? Blödsein als Coolnessfaktor? Physiker und Mathematiker werden (Standard!) dickbrillig als Nerd dargestellt. McGyver hatte wohl Glück.

Für mich ist mit Gaukler konnotiert: Quacksalber, Possenreißer, Bärenführer, Zirkus, vorgauklen…

Etymologie
Der Begriff Gaukler war schon im Mittelalter gebräuchlich und stammt aus dem althochdeutschen gougolôn für „sinnlose oder spielerische Bewegungen machen“ (vgl. auch lat. ioculator, franz. jongleur).

Am meisten gefällt mir der Wikipediaeintrag dazu:

Im Gegensatz zu den heutigen Begriffen Unterhaltungskünstler, Artist oder Komiker ist der Begriff Gaukler teilweise negativ besetzt, da mit ihm unehrliches Fahrendes Volk verbunden wird, das nur darauf aus ist, den unbedarften Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen, oder es als Beutelschneider zu berauben. Gaukler standen deshalb früher außerhalb der gesellschaftlichen Standesordnung und hatten keine rechtliche, kirchliche oder soziale Geltung. Gesetzestexte wie Sachsenspiegel und Schwabenspiegel, aber auch Stadtrechte schützten weder das Leben der Fahrenden noch ihre Unversehrtheit oder ihr Eigentum.