Die Kunst des unsachlichen Argumentierens

Vince und ???

Vince und ???

Mein Lieblings-Vince-Ebert darf hier nicht fehlen:

Aus dem Online-Tagebuch der Mitglieder des publizistischen Netzwerks Die Achse des Guten

Vince Ebert: Die Kunst des unsachlichen Argumentierens

Ob Nahostkonflikt, Homöopathie-Debatte oder Energiewende – zahllose Blogs, Polit-Talkshows und Zeitungsartikel stellen Tag für Tag die verschiedensten Themen zur Diskussion. Soll die LKW-Maut auch für Bierbikes gelten? Ist „Gaucho“ ein Schimpfwort? Wie wäre es mit einer Frauenquote für Päpste?

In den meisten Fällen haben wir zwar eine klare Meinung, aber blöderweise kein gutes Argument zur Hand. Kein Problem. Mit den folgenden zwölf Tipps behalten Sie in sämtlichen Diskussionen die Oberhand und bringen darüber hinaus Ihre Diskutanten zur Weißglut:

Vermeiden Sie es, allzu viel über wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenhänge zu wissen

Fakten verwirren nur. Unser Gehirn ist nicht primär an der Wahrheit interessiert, es will sich in erster Linie wohlfühlen. Außerdem zeigen Statistiken: Je weniger man von einer Sache wirklich versteht, desto klarer und eindeutiger ist die jeweilige Meinung dazu. Andererseits: Als erfahrener Diskutant haben Sie von Statistik wahrscheinlich eh‘ keine Ahnung.

Zweifeln Sie die wissenschaftliche Methodik generell an

Zitieren Sie an dieser Stelle unbedingt Shakespeare: „Es gibt mehr Ding‘ zwischen Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt.“ Und hat sich nicht die Wissenschaft im Laufe der Geschichte sowieso oft genug geirrt ..? Genau!

Bezeichnen Sie unliebsame Fakten als „zynisch“

Wenn kleinkarierte Migrationsforscher mit diesen verwirrenden Balken- und Torten-Diagrammen ankommen, empfiehlt sich der Satz: „Aber es geht doch hier um Menschen und nicht um Zahlen!!! Das ist so unglaublich zynisch! Die Integration soll gescheitert sein??? Dass ich nicht lache! Und was ist dann mit Mesut Özil?“

Erzählen Sie Anekdoten

Persönliche Erfahrungen schlagen die robustesten Doppelblindstudien. Da kann Ihr Diskussionspartner noch so sehr randomisierte, doppeltverblindete, placebokontrollierte Metastudien anführen, sobald Sie sagen: „Isch hab‘ meim Hund letzte Woch‘ Annika D30 gegebbe und seitdem is sein Durchfall wie weggeblase …“ ernten Sie anerkennendes Kopfnicken.

Klappt allerdings nur, wenn Sie sympathisch und vertrauenserweckend sind

Als E.ON-Chef sollten Sie es auf jeden Fall vermeiden, bei Anne Will in die Runde zu rufen: „Also die Neurodermitis von unserem Jan-Niklas ist viel besser geworden, seit ich ihn einmal pro Woche ins Abklingbecken von Biblis tauche …“

Unterstellen Sie dem Diskussionsgegner unlautere Absichten

„Wie viel Geld bekommen Sie eigentlich für Ihre kruden Thesen von der Großindustrie / der Springer-Presse / der FDP / dem Mossad.

Googlen Sie Studien, deren Ergebnisse Ihrer persönlichen Meinung entsprechen

Sie werden sich wundern. Im Internet finden Sie zu jedem noch so durchgeknallten Statement top-recherchierte Untersuchungen von serbokroatischen Wissenschaftlern, die bewiesen haben, dass in Wahrheit George W. Bush und sein Vater die zwei Flugzeuge in die Twin Towers gesteuert haben.

Werden Sie ein moralisches Gewissen

Dauert, aber es lohnt sich. Als Peter Scholl-Latour, Helmut Schmidt oder Dalai Lama können Sie der staunenden Welt erklären, dass die Erde in Wirklichkeit ein Würfel ist. Nur wenige werden es daraufhin öffentlich wagen, Sie als senil, verrückt oder inkompetent zu bezeichnen.

Bügeln Sie Vergleiche mit dem Satz nieder: Das kann man doch nicht vergleichen!

„Der Kommunismus hat mehr Todesopfer gefordert als der Nationalsozialismus? – Aber das kann man doch nicht vergleichen!!!“

Ignorieren Sie Verhältnismäßigkeiten

Eine Impfung, die Zehntausenden das Leben rettet? Drauf geschissen, solange es bei einer Handvoll Kindern eine Gluten-Intoleranz auslöst.

Spielen Sie die „David gegen Goliath“-Karte

Grundregel: Wer mächtiger, reicher oder stärker ist, hat immer Unrecht. Ohne Ausnahme. Ölindustrie gegen Greenpeace, Israel gegen Palästina, Monsanto gegen Biobauern. Zeigen Sie dabei sichtbar Entrüstung und bauen Sie in Ihre Argumentation möglichst viele Kampfbegriffe ein, wie z.B.: neoliberaler Turbokapitalismus, rücksichtslose Pharmalobby, amerikanische Kriegstreiber, etc…

Verlassen Sie nie die Gefühlsebene

Orientieren Sie sich in Ihrer Wortwahl an Margot Käßmann und werfen Sie ab und an folgende Sätze in den Raum: „Geld kann man nicht essen“, „Krieg ist nie eine Lösung“, „Wir haben die Erde nur von unseren Enkeln geborgt“.

Wenn das nicht hilft, werden Sie notfalls persönlich: „Wie können Sie es wagen zu lächeln, während der Panda-Bär ausstirbt?“

Auch Foren-Einträge und Facebook-Posts wie „Dümmlicher Artikel“ oder auch „So einen Quatsch habe ich selten gelesen …“ fallen angenehm ins Auge und sind universell einsetzbar. In Einzelfällen kann auch ein simples „ARSCHLOCH!!!!“ Wunder wirken.

Der Knabe hat was.... :-D

Der Knabe hat was…. 😀