Die Sache mit den Kompetenzen…

Der hat auch Kompetenzen...

Der hat auch Kompetenzen…

In der FAZ erschien ein Beitrag von Wolfram Meyerhöfer (Universität Potsdam) Meyerhöfer ist kein Bildungsökonom und Prognostiker. Er ist als Mathematiker von Haus aus Analytiker und lehrt Mathematikdidaktik. In seinem Beitrag analysiert er die empirische Bildungsforschung. Deren Ziel sei nicht, das Lernen zu verstehen und zu verbessern.

Meyerhöfer beschreibt, wie sich Schulen fast vollständig im Würgegriff von Testinstitutionen befinden und beschäftigt sich damit,  ob wir tatsächlich alles Menschliche für vermess- und standardisierbar halten. Und authentisch weist er nach, das bereits das Vermessen von „nur“ mathematischen Leistungen scheitert.

Der Glaube an die Vermessbarkeit alles Menschlichen hat in unserer Kultur inzwischen einen quasireligiösen Status erreicht.

„Lernprozesse zu vermessen ist völlig aussichtslos. Doch es spricht auch wenig dafür, dass sich Lernergebnisse genau beziffern lassen.“

„Man müsste sich dann mit Lernen und Vergessen beschäftigen, mit Interesse und Langeweile, mit Nutzen und Nutzlosigkeit, mit der Motivation und der Demotivation von Schulnoten.“

Dazu werde als „neuester Schrei des Bildungssektors“ (Meyerhöfer) das Kompetenzstufenmodell eingesetzt, das er systematisch seziert. Kompetenzstufenmodelle seien der Versuch, die Resultate der Empirischen Bildungsforschung relevant erscheinen zu lassen, ohne es zu sein. Dazu würden systematisch Skalen, Punkte und Statistiken instrumentalisiert, um fälschlich Relevanz behaupten zu können:

„Dieses Vorgehen wirkt technisch raffiniert und löst bei manchen Begeisterung aus, weil der statistische Apparat suggeriert, dass hier Wissenschaft am Werke sei und dass das Pädagogische endlich einmal harte Zahlen liefert.“

„Wenn ein Kompetenzstufenmodell mit Aufgaben entworfen wird, die mehrere Lösungswege zulassen, lässt es sich nicht empirisch absichern. Wenn es aber mit Aufgaben erstellt wird, die nur einen Lösungsweg zulassen, dann ist es didaktisch kontraproduktiv, weil solche Aufgaben in die geistige Verarmung führen. Eine gute Testaufgabe – bei der man genau benennen kann, was sie misst – ist das Gegenteil einer bildenden Schulaufgabe, welche geistige Vielfalt und Debatte über diese Vielfalt herausfordert.“

Hibert Meyer (Uni Oldenburg):

Kompetenzorientierung sagt viel darüber aus, was „herauskommen soll“ – aber nur wenig darüber, wie der Unterricht gestaltet werden kann. Aus der klugen Idee, kompetenzorientiert zu unterrichten, lässt sich nicht die „ganze Aufgabe“ des Lehrers ableiten. Wenn überhaupt, hat das Konzept eine Chance, wenn die Top-Down Strategie der Schulpolitik durch eine Bottom-Up Bewegung der Basis ergänzt wird. Man kann auch ohne Kompetenzorientierung des Unterrichts nachhaltig Kompetenzen fördern.

Auch die Guillotine war eine erfolgreiche Umsetzung der Top-Down Strategie.