Esoteriker, Homöopathen und Rotkäppchen

Herr, schmeiß Hirn vom Himmel...

Herr, schmeiß Hirn vom Himmel…

Immer und immer wieder kommt das Argument: “es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt”, als reflexartige Antwort und als HIER-IST-DER-BEGRÜNDETE-DIALOG-ZU-ENDE-WAFFE in allen erdenkenswürdigen Situationen. Im Gespräch mit Esoterikern, Homöopathen und Theologen kann man nur verlieren. Denn die können immer einfach eine Behauptung nach der anderen rauswerfen – um Beweise und Falsifizierbarkeit (Eigenschaft einer Aussage, empirisch widerlegbar zu sein) müssen sie sich ja nicht kümmern. Und man kommt immer wieder in die Verlegenheit diesen Hokuspokus wie eine gleichberechtigte, alternative wissenschaftliche Hypothese zu diskutieren.

Nun aber zum „Zitat“….

Mal zur Abwechslung das Original aus Hamlet, Erster Akt, Szene 5:

“There are more things in heaven and earth, Horatio,
Than are dreamt of in our philosophy.”

Das ganze auf deutsch:

“Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, Horazio, als in unserer Philosophie geträumt werden.”

Dieses „Zitat“ ist also kein Originalton von Shakespeare: sondern der liebe Shakespeare lässt diesen Satz seine Figur Hamlet, im gleichnamigen Theaterstück, sagen. Shakespeare lässt also eine Figur diesen Satz sagen und das gründet sich auch noch auf einer älteren Geschichte (nicht mal von ihm selbst). Soll heißen: kreativ „erfunden“.

Nun geben Figuren in Geschichten, Romanen  und Aufsätzen sellten und ausschließlich die eigene Meinung und noch seltener Fakten wieder.  Glaubten die Gebrüder Grimm an Rotkäppchen oder Frau Rowlings an Hogwarts?

Nun wird es aber richtig dramatisch: der junge Hamlet sagt diesen Satz zu seinem Freund Horatio, einer ebenfalls ausgedachten Figur in einer ausgedachten Geschichte. Hat also eher nicht den Charakter einer recherchierten TV-Dokumentation. Dieser Horatio ist -und das als fiktive Figur – eine sehr rational denkende Figur…

Shaekespeare war ein Schreiberling (bestimmt einer der größten Dramatiker „ever“), aber sicher kein Prophet und und stets im Recht. Mit seinem Todesjahr 1619 blieb er auch auf dem damaligen Stand der Wissenschaft. Und trotzdem waberten die Gravitations- und elektromagnetischen Felder auch zu der Zeit schon vor sich hin, Strahlung im kompletten elektromagnetischen Spektrum erfüllte auch damals schon den Raum (und heute auch noch…). Radioaktivität war da (nur halt nicht entdeckt), Sonnenbrand dank UV-Strahlung gabs wohl auch, mit Flugzeugen, Handys und Fernsehen oder gar dem Internet sah es auch eher mau aus…

Dieser vom Autoren Shakespeare erdachte Streit zwischen hochgebildeten Freunden geht nun auch darauf zurück, dass Hamlet ein angeblicher Geist erschienen sein soll.  Verstorbene als Geistererscheinung ist sehr eine „delikate“ Angelegenheit, für die man relativ fix in einer geschlossenen Anstalt landen kann.

Also liebe Freunde der „verklärten Ansichten“: es gibt tatsächlich Dinge auf dieser Welt, die man mit menschlichen Auge nicht erblicken kann, dennoch existieren und existierten diese Dinge: und vor allem SIE SIND MESSBAR. Und das Allertollste: wir werden auch weiterhin Dinge finden, die wir jetzt noch nicht bemerken. Aber bitte: messbar, beweisbar, berechenbar, nachvollziehbar und wiederholbar.

Für alle die noch mehr Spaß haben wollen: Vince Ebert zur Homöopathie