Meine Freundin VERA

Ausbruchsversuche erwünscht...

Ausbruchsversuche erwünscht…

Es ist wieder einmal soweit: VERA (Erna) kommt…. Für Normalos: Vergleichsarbeiten Mathematik Klasse 8 stehen an. Oder wie die Eingeborenen sagen: die „Testeritis“ geht um. VerAen gibt es offenkundig nur in den Fächern Mathematik, Englisch und Deutsch, wie auch ebenso die zentralen schriftlichen Abschlussprüfungen in diesen Fächern. In den wenigen anderen Fächern (Biologie, Physik, Chemie, Musik, Kunst, AWT, Sozialkunde, Geschichte, Geografie, Sport, Astronomie, Religion, Philosophie…) gibt es offenkundig nichts zu vergleichen oder zu prüfen. Zugestanden: ein Allheilmittel (VERAen gehören zum „Qualitätsmanagement“: QM) gibt es nicht – Es gibt nichts, was man nicht auch verbessern könnte.

Alle Formen des Qualitätsmanagements kommen aus der Technik (Regelungs- und Steuerungstechnik) und werden auf den Humanbereich (Bildung, Erziehung, Betreuung etc.) angewendet. QM ist in der Technik sinnvoll und unumgänglich. Die Anwendung bestimmter Formen der QM auf menschliche Dienstleistung ist in der bisherigen Form Unsinn und muß reformiert werden.

In VERAen werden Abweichungen zur „Norm“ (?) festgestellt, eine Illusion. Bei der Feststellung von  Abweichungen weiß man nicht, woran es gelegen hat (beliebige Ursachenzuschreibung), weiß man nicht, ob es sich um zufällige Schwankungen handelt, weiß man oft nicht, ob die Evaluationsinstrumente zuverlässig und valide sind. Wenn die Evaluationskriterien bekannt sind, richten sich alle danach und wir haben wieder die alte Richtliniensteuerung. Evaluation ist teuer, den Kosten steht kein entsprechender Gewinn gegenüber. QM menschlicher Dienstleistungen bläht Bürokratie auf, weil sie Personal in unproduktive Tätigkeiten steckt.

Menschliches Verhalten ist nur zum Teil aufgeklärt, ein Produkt eines Bandes in der Fabrikhalle zu  100%. Menschliches Verhalten ist immer unprognostizierbar, deshalb nicht standardisierbar.

Was wird gemessen?

Was wird gemessen?

Wenn ein Schüler die Aufgabe löst oder nicht löst, wissen wir nicht, wie er die Aufgabe gelöst hat oder wie er gescheitert ist. Wir wissen also nicht, was wir mit der Aufgabe eigentlich messen. Nur sehr triviale Aufgaben „messen scharf“, sind also auf genau eine Weise lösbar. Fast alle Aufgaben „messen unscharf“, sind also auf verschiedenen Wegen lösbar.

Wir wissen also nicht genau, welche Fähigkeiten wir gemessen haben – außer der Fähigkeit, solche Aufgaben zu lösen, also sein Kreuz an die gewünschte Stelle zu setzen, die „richtige“ Zahl hinzuschreiben oder auf eine Weise offene Antworten aufzuschreiben, die in den Kategorienkatalog der Tester passt. Inwiefern das alles „mathematische Leistungsfähigkeit“, „Lesefähigkeit“ sein soll, bleibt hingegen unklar.

DAS sind unsere eigentlichen Arbeitsfelder:

  • Lernen & Vergessen
  • Interesse & Langeweile
  • Nutzen & Nutzlosigkeit
  • Motivation & Demotivation

Und mal so ganz unter uns: die Kontrolleure müssten eigentlich das können, was sie steuern wollen: sie müssten „Meister“ sein… Ziele setzen und Fristen kontrollieren kann jeder und diese Tätigkeit sollte nur mit halbem Lohn bezahlt werden. QM wird naiv in seiner Potenz zur Verbesserung überschätzt. Eine andere Führungskultur wäre eine Lösung: „wer steuert, soll können“, also Steuerung durch Vormachen-Nachmachen. Das Wirksame erfordert in der Produktion der Dienstleistung – nicht in der Steuerung – kompetente Mitarbeiter.

Einen Dank an dieser Stelle an Prof. Dollase, den ich auf der Summerschool in Münster „eingesaugt“ habe!

An dieser Stelle dürfen die Klassiker und ein Verweise auf die leidigen Kompetenzen nicht fehlen:

Durch das Wiegen wird die Sau nicht fett.

Du kannst so viele Thermometer im Raum aufhängen wie du willst: es wird dadurch nicht wärmer.

Und einige der besten Antworten meiner Schützlinge aus der gestrigen VERA: (ein Mordsgaudi…)

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Wärmstens empfohlen: Sir Ken Robinson – Changing Education Paradigms