Simple Sabotage Field Manual

Systembedingte Erfahrungen (und ein Heise-Artikel zur Intelligenz von digitalen Assistenten, welche die Produktivität steigern sollen) haben mich Analogien zum „Simple Sabotage Field Manual“ des Office of Strategic Services (OSS: ein Nachrichtendienst des Kriegsministeriums der Vereinigten Staaten) zu Hauf entdecken lassen. Hier fasste der Nachrichtendienst zusammen, wie seine Agenten wirkungsvoll Organisationen und ihre Produktion in die Knie zwingen können. Sie lassen sich verblüffend genau auf für mich aktuell erlebbare Vorgänge übertragen.

(1) Bestehe darauf, alles durch „offizielle Dienstwege“ erledigen zu müssen. Nimm niemals Abkürzungen, die Entscheidungen beschleunigen würden. Einfach zum Chef zu gehen und ihn zu fragen, ist anscheinend zu einfach.

(2) Wenn möglich, verweise alle Sachverhalte an Arbeitsgruppen. Versuche, alle Treffen so groß wie es geht zu machen – niemals mit weniger als fünf Teilnehmern.

(3) Thematisiere belanglose Punkte so oft wie möglich. Streite um die genaue Formulierung von Berichten und Beschlüssen.

(4) Sorge dich um die Korrektheit jeder Entscheidung. Hinterfrage, ob das geplante Vorgehen im Aufgabenbereich der Gruppe liegt oder ob es Regeln einer höher gestellten Verwaltung widerspricht.

Die Richtlinien des OSS stammen aus dem Jahr 1944. Unsere behördliche Bürokratie „arbeitet“ solange, bis sie dem Haus das Verrückte macht ähnelt. Und dann laufen die Angestellten im Kreis zwischen den Abteilungen, viel zu beschäftigt, um irgendwas zu schaffen.