Smartphones als Intelligenzabsauger?

Was würden diese beiden Herren dazu meinen?

Was würden diese beiden Herren dazu meinen?

Sag – wie hältst du es mit dem Handy in der Schule? Bieten die Dinger Chancen oder schaden sie mehr? Frag 10 Leute (Eltern, Lehrer, Schüler,…), du bekommst 20 Meinungen. Und jeder der Befragten hat natürlich die Deutungshoheit. Ich stecke hier in einem klassischen Dilemma: meine technikaffine Persönlichkeit ist im Dauerstreit mit meiner Gehirngerechtlernen-Persönlichkeit. Für mich nicht verhandelbar: die Smarties haben ausgeschaltet oder lautlos im Unterricht zu sein – am liebsten auf dem Tisch mit dem Bildschirm nach unten. Den Schülern wird es exakt wie mir gehen: mal fix bei Facebook, Whatsapp, Mail & Co nachschauen hat enormes Verlockungspotenzial. Was dabei definitiv „flöten“ geht: die Konzentration.

Die Pubertanten nutzen ihr Handy einige hundert mal am Tag: z.B. als Ersatz für Zettelchen, die wir früher umhergereicht haben. Im Übrigen wäre es schön, wenn mit solcher Vehemenz gefordert würde, dass jedes Kind Zugang zu einem Musikinstrument oder einem Garten bekommt.

Ich habe auf einem Buch-Klappentext von  Alexander Markowetz vor kurzem gelesen: „Wir begeben uns in einen Zustand der immer kürzeren Sinneinheiten, der pausenlosen Unterbrechungen und des ständigen Abgelenktseins. Diese antrainierte Aufmerksamkeitsstörung treibt uns kurzfristig an die Grenzen unserer geistigen Belastbarkeit und langfristig weit darüber hinaus. Sie behindert damit aber nicht nur unsere Produktivität, sondern zerstört unser gesamtes Lebensglück.“ Ich erwische mich nun immer öfter dabei, wie ich langsam auf diesen Denkzug aufspringe.

Regelmäßiges Urinieren gehört auch zum Alltag und wird von vielen Forschern als biologisch notwendig und sogar gesundheitsförderlich angesehen. Trotzdem muss man nicht in den Klassenraum strullen.

Was aber tatsächlich enorm hilfreich ist und ja, die Pubertanten dürfen das bei mir:

  • Physik: Zeitmessung per Handy bei Experimenten (da der Schule manchmal Geld für einfache Stoppuhren fehlt)
  • Physik: einen Versuch mitfilmen, um dann das Video verlangsamt zum besseren Verständnis an die Wand zu „beamen“
  • Astronomie: Planetariumapps… (obercool!)
  • Mathe: ja, manchmal auch als Taschenrechnerersatz (aber nur im Bereich von fiesen Wurzeln, Monsterbrüchen und irrationalen Zahlen…)
  • generell: schnell einen Begriff, eine Phrase (Fremdwort) „ergoogeln“
  • generell: sich schnell Zahlenmaterial besorgen

Wenn ich aber die soziale Seite der Smartie-Nutzung sehe wird mir grottenschlecht – auch beim Ertragen von „Kollegen“. Ich empfinde es in Konferenzen und bei Vorträgen als ausgesprochen abwertend, wenn mein Gegenüber mehr Interesse an dem Plastikteil als an den Ausführungen und Diskussionen zeigt und bringe das dann auch zum Ausdruck. Meine Gesprächspartner jedenfalls haben Anspruch auf meine volle Aufmerksamkeit = Wertschätzung.

Es bleibt spannend…